Selbständig arbeiten neben Ausbildung/Studium – das musst Du beachten

Vorteile und Fallstricke des Freelancing neben Ausbildung oder Studium

Kellnern, Supermarktregale einräumen oder im Klamottenladen jobben: All das sind klassische Stellen, die oft mit Schülern und Studenten besetzt werden, die sich etwas dazuverdienen wollen oder müssen. Neben Schule oder Studium einen Nebenjob auf 450-Euro-Basis zu haben, das funktioniert relativ unkompliziert. Wer jedoch als selbstständiger Freelancer etwas dazuverdienen will, muss mehr beachten – kann aber auch mehr Vorteile genießen!

In diesem Beitrag gehe ich auf die wichtigsten Baustellen ein, die durch eine selbständige Tätigkeit neben Uni oder Ausbildung auftreten und nicht vergessen werden sollten.

Selbständig neben Studium oder Ausbildung: Vor- und Nachteile

Selbstständig neben Ausbildung und StudiumDie Vorteile einer selbständigen Arbeit neben Ausbildung und Studium liegen auf der Hand: Du kannst Deine Arbeit relativ flexibel an Deinen Lern-, Uni- und Ausbildungszeiten ausrichten. Das kann eine Menge Druck, Stress und Koordinationsprobleme vermeiden. Allerdings fehlt auch der berühmte „Tritt in den Hintern“ – Du solltest daher in der Lage sein, Dich selbst zu motivieren. Wer zur Prokrastination neigt und alles bis zum letzten Drücker liegen lässt, läuft Gefahr, sich zwischen Klausuren, Hausarbeiten und Aufträgen zu verzetteln. Eine klare Struktur im Alltag hilft ungemein, neben Ausbildung oder Studium selbstständig zu sein. Denn meistens ist das nicht das süße Leben, bei dem Du gechillt mit dem Laptop im Park liegst und ein bisschen nebenher arbeitest, sondern kann stressig sein, wie jeder andere Job auch.

Weitere Nachteile: Auftragsflauten können vorkommen und müssen langfristig ausgeglichen werden. Auch kann es immer mal passieren, dass Auftraggeber nicht oder zu spät zahlen. Bei einer Festanstellung ist dieses Risiko weitaus geringer. Zumindest ein kleiner finanzieller Puffer ist also sehr ratsam, damit Du nicht aufgeschmissen bist, wenn es an das Zahlen der Miete oder Semestergebühren geht. Auch Zeit für die Auftragsakquise sollte nicht unterschätzt werden. Willst Du nicht nur als Freelancer etwas jobben, sondern bereits Dein erstes Startup aufbauen, ist die zeitliche Belastung in der Regel noch höher – und Gewinne lassen auch lange auf sich warten.

Gut vernetzt als Freelancer

Inwieweit die Selbständigkeit während Studium und Ausbildung sich später auch auf der Jobsuche positiv auswirken, hängt natürlich auch ganz von der jeweiligen Tätigkeit ab. Hast Du in Deinem Ausbildungs- bzw. Studienfach als Freelancer erste Kontakte und Erfahrungen geknüpft, ist das klar von Vorteil. Gute Referenzen und Arbeitsproben kannst Du ebenfalls schon gewinnen. Zusätzlich kannst Du beweisen, dass Du eigenständig arbeiten und Kunden für Dich gewinnen kannst – alles wichtige Eigenschaften in den Augen zukünftiger Arbeitgeber.

Dem gegenüber steht aber auch der Umstand, dass Du eventuell als Eigenbrötler gesehen wirst. Das ein oder andere Praktikum, in dem Du auch Deine Teamfähigkeit und Sozialkompetenz beweist, rundet Dein Profil erst ab.

Freelancer-Tätigkeit und Krankenversicherung

Hier gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Junge Studenten und Azubis unter 25 Jahren sind meist über ihre Eltern in der Familienversicherung mitversichert. Eigene Beiträge müssen sie nicht zahlen. Auch in diesem Fall ist ein Nebenerwerb als Freelancer möglich, doch Vorsicht: Übersteigt der Zuverdienst bestimmte Grenzen, droht ein Verlust der Familienversicherung. Auch nachträgliche Zahlungsforderungen der Versicherung sind möglich.

Zu beachten ist:

  • Das monatliche Einkommen darf 425 Euro (es gilt nicht die 450-Euro-Grenze wie bei Minijobs!) nicht überschreiten. Maximal zwei Mal im Jahr darf es auch mehr sein, zum Beispiel, wenn Du in den Semesterferien mehr Aufträge wuppen konntest. Liegt Dein Einkommen höher, kannst Du nicht mehr beitragsfrei familienversichert sein. Auch rückwirkende Nachzahlungen sind möglich.

  • Die wöchentliche Arbeitszeit darf 20 Stunden nicht überschreiten.

Solltest Du parallel BAföG erhalten, zählt dies nicht zum Gesamteinkommen!

Kindergeld für Studierende und FreelancerStudenten und Auszubildende über 25 können in der Krankenversicherung der Studenten versichert werden. Die 425-Euro-Grenze gilt nun nicht mehr. Trotzdem kann dieser Versicherungsstatus nur beansprucht werden, wenn in Vollzeit studiert bzw. einer Vollzeit-Ausbildung nachgegangen wird. Dementsprechend darf die wöchentliche Arbeitszeit auch hier nicht über 20 Stunden liegen.

Nun… die Arbeitszeit von Freelancern ist oft nicht exakt nachweisbar. Deshalb solltest du auch immer die Plausibilität Deiner Angaben im Hinterkopf behalten: Dein Sachbearbeiter wird vielleicht skeptisch, wenn Du monatlich 5.000 Euro mit nach Hause nimmst, aber angibst, dafür nur 10 Stunden die Woche zu arbeiten. Im Zweifel ist es gut, Nachweise vorlegen zu können – beispielsweise Stundenabrechnungen mit den Auftraggebern.

BAföG und Arbeiten als Freelancer

Das BaföG-Amt hingegen interessiert sich vor allem für Dein Einkommen und weniger für die Arbeitszeit. Allerdings solltest Du auch hier bedenken, dass Du nur gefördert wirst, wenn Du in Vollzeit studierst oder einer Vollzeit-Ausbildung nachgehst.

Im Antrag auf Ausbildungsförderung müssen die voraussichtlichen Einnahmen im Bezugszeitraum angegeben werden. Da diese bei Freelancern stark schwanken können und selten genau kalkulierbar sind, sind Abweichungen nicht weiter dramatisch. Realistisch solltest Du aber schon sein. Solltest Du mehr verdienen und über den Grenzen liegen, musst Du einen Teil Deines BAföG zurückzahlen.

Anrechnungsfrei bleiben für selbständig arbeitende Studenten 4.410 Euro Gewinn vor Steuern im Bewilligungszeitraum. In Sonderfällen kann sich der Beitrag erhöhen, zum Beispiel, wenn Du verheiratet bist oder bereits Kinder hast. Bedenke auch, dass der Bewilligungszeitraum des Bafögs meist nicht identisch ist mit dem Veranlagunszeitraum der Steuer (Kalenderjahr) ist.

Zu viel Einkommen = kein Bafög? Nein! Ganz so schlimm ist es nicht. Wenn Du über den Freibeträgen liegst, ist Dein Anspruch nicht gleich futsch. Dein eigenes Einkommen wird aber angerechnet, sodass Du monatlich entsprechend weniger Bafög bekommst.

Kindergeld für Freelancer?

Studierende, Freelancer und das FinanzamtWer unter 25 ist und noch studiert oder eine Ausbildung macht, dessen Eltern können Kindergeld beziehen. Eine Einkommensgrenze, bis zu der das Kind selbst etwas verdienen darf, gibt es inzwischen nicht mehr. Allerdings solltest Du auch hier bedenken, dass Kindergeld nur bezahlt wird, wenn Ausbildung oder Studium Deine volle Arbeitskraft in Anspruch nehmen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Befindest Du Dich bereits in einer zweiten Ausbildung oder einem Zweitstudium (vorherige Abbrüche oder Fachrichtungswechsel zählen nicht mit!), wird Dein Einkommen angerechnet, sofern Du mehr als 20 Stunden im Monat arbeitest.

Müssen sich Studenten und Azubis beim Finanzamt melden?

Kurz und knapp: Ja. Gemäß §138 der Abgabenordnung muss dies innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit geschehen. Für’s Erste genügt eine formlose Meldung.

Auch, wenn du letztlich vielleicht unter den Freibeträgen liegen wirst, musst Du Deine selbständige Tätigkeit anmelden. Derzeit liegen die Grenzen für die Einkommenssteuer bei 8.820 Euro bzw. 9.000 Euro ab 2018 und 17.500 für die Gewerbesteuer (solltest Du freiberuflich arbeiten, entfällt diese ohnehin).

Geht man von einem Einkommen von durchschnittlich beispielsweise 400 Euro monatlich aus, zahlen auch selbstständige Nebenjobber also keinen Cent Steuern.

Wem muss ich meine Tätigkeit sonst noch melden?

Die Hochschulen interessiert es in aller Regel nicht, womit und in welcher Höhe ihre Studierenden ihr Einkommen bestreiten. Wer sich noch in der Ausbildung befindet, ist allerdings verpflichtet, seinen Ausbildungsbetrieb von der Nebentätigkeit zu unterrichten und sie sich genehmigen zu lassen. Du darfst, Ausbildungszeiten und Nebentätigkeit zusammengerechnet, wöchentlich nicht über 48 Arbeitsstunden kommen. Auch darf Dein Ausbildungsziel nicht durch Deine Arbeit gefährdet werden – zum Beispiel, wenn Deine Noten abrutschen.

Alles klar? Dann frohes Schaffen!

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