Gesellschaft im Home Office: Virtuelle Kollegen finden

Allein arbeiten: Traum oder Trauma?

Braucht man Kollegen im Home Office?

Für viele von Euch hier lautet die erste Antwort wahrscheinlich „Nein, bloß nicht!“. Man denke nur an die „normalen“ Kollegen: Man stellt das Mittagessen in den Kühlschrank im Büro und innerhalb einiger Stunden ist es weg. Spurlos verschwunden, gesehen hat natürlich niemand etwas. Oder ein anderes Beispiel: Der Kollege, der einen nur noch mal schnell um einen Gefallen bittet, kurz vor Feierabend… der dann doch noch mal einige Stunden dauert.

Ungestört zu arbeiten hört sich für viele nach einem Traum an… gut, ist es oft auch.

Aber es hat auch seine Nachteile. Wer Vollzeit arbeitet, verbringt erstaunlich viel Zeit mit seinen Kollegen. Wenn das wegfällt, braucht es, zumindestens teilweise, einen Ersatz.

Da gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Manche besorgen sich einen Hund oder Papagei, manche haben schon kleine Kinder und sind damit zufrieden, und wieder andere treffen sich mit anderen Freelancern für gelegentliche Social Outings.

Menschen sind Rudeltiere

Auch wenn Ruhe und das Alleinsein zuerst super erscheinen, ist es langfristig nicht durchzuhalten. Menschen sind Rudeltiere, wir brauchen sozialen Kontakt. Viele langjährige Freelancer haben daher zusätzlich zum Home Office noch ein Away-From-Home-Office, zum Beispiel in einem öffentlichen oder geteilten Workspace. Das ist leider oft mit Kosten verbunden, und ist daher nicht für jeden passend.

Haustiere im Home OfficeHaustiere sind auch sehr beliebt. Sei es ein Meerschweinchen, ein Hund oder ein Aquarium voller exotischer Fische, Haustiere bieten Ablenkung, Unterhaltung und sorgen dafür, dass wir nicht den ganzen Tag alleine herumsitzen. Wer kreativ (oder auch nicht so kreativ) schreibt, kann dann dem Haustier auch das Geschriebene vorlesen – eine angenehme Alternative dazu, sich mit der Wand zu unterhalten.

Was hier aber gesagt werden muss: Haustiere, vor allem Hunde und Katzen, sind viel Arbeit und sollten daher gut überlegt sein. Im Zweifelsfall dann doch lieber mit einem Goldfisch oder einer Zimmerpflanze anfangen.

Natürlich gibt es neben gemieteten Büros und Haustieren noch genug andere Möglichkeiten – wer also allergisch ist und nicht für Büroraum bezahlen möchte, muss nicht an Einsamkeit leiden. Dank des Internets gibt es vielerlei verschiedene Wege, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Sogar die Dating-App Tinder hat mittlerweile eine Gruppenfunktion, um nach Freunden zu suchen (die ihre Hosen anbehalten). Angebote wie Meetup oder auch diverse Facebook-Gruppen bieten Kontakt zu Gleichgesinnten. Es gibt sogar Gruppen, die sich exklusiv über das Freelancen austauschen – da ist es leicht möglich, ein paar neue Kontakte zu knüpfen und vielleicht sogar ein paar gute Tipps zu bekommen. Einfach mal durch die Meetups in Eurer Nähe blättern.

Wer persönlichen Kontakt bevorzugt, der kann sich nach Treffen in der Umgebung umsehen. Da die meisten Freelancer relativ flexible Arbeitszeiten haben, schafft man es meist auch, solche Treffen tagsüber zu besuchen – es sei denn, es steht eine Deadline an. Es gibt sie in praktisch allen größeren Städten… und wenn es wo noch keines gibt, lässt sich leicht eines organisieren. Auch hier helfen Meetup, Facebook, XING und Co. Vom Picknick im Park zum Hackathon im nächsten Büro-Hub ist hier alles erlaubt, was gefällt.

Eines sollte hier gesagt werden: Nicht jeder muss zwangsläufig an seinem Alltag etwas ändern um zufrieden zu sein. Wer zum Beispiel kleine Kinder zuhause hat, hat damit vielleicht mehr als genug zu tun (sehnt sich aber vielleicht wieder nach erwachsener Gesellschaft). Und da viele Freelancer sowieso viel Zeit damit verbringen, über das Internet zu kommunizieren, oder eventuell projektweise im Team arbeiten, brauchen sie viele von ihnen nicht so viel zusätzlichen Kontakt.

Wichtig ist, das man eine Balance zwischen dem lauten Büro mit acht Kollegen und dem einsamen Arbeitszimmer mit der toten Zimmerpflanze findet. Das schöne am Freelancen ist ja, dass man sich alles so einrichten kann, wie es am besten passt – und das ist individuell verschieden. Auch wenn man ein Setup probiert und es nicht passt, kann man es leicht wieder ändern – daher ist zu empfehlen, Verschiedenes zu probieren bis man die „ideale“ persönliche Lösung gefunden hat. Auch wenn das nicht die konventionellste ist!

Wer hilft, wenn’s nicht weitergeht?

Virtuelle KollegenEines ist aber noch zu beachten, nämlich: Dass man ohne Kollegen niemanden hat, den man schnell um Rat fragen kann. Wie relevant das ist, hängt stark davon ab, in welchem Feld man tätig ist. In vielen Fällen haben Google & Co schon eine Antwort bereit… aber was, wenn nicht? Gerade bei kreativen Arbeiten wie Schreiben, Malen oder Design kann man nicht einfach nach der besten Lösung googlen, und Kollegen gibt es keine. Und dann?

Google mag nicht helfen können, aber das Internet lässt uns dennoch nicht im Stich. Websites wie Lancebase oder TalkFreelance  sind gefüllt mit  Freelancern, die in derselben Situation sind – eine Hand wäscht die andere, und vier Augen sehen mehr als zwei. Nicht schüchtern sein, wenn es darum geht, um Hilfe zu bitten – es findet sich ganz sicher jemand, der helfen kann oder zumindest in die richtige Richtung weist.

Beide Webseiten, Lancebase und TalkFreelance, werden von Freelancern betrieben und sind dazu da, dass wir als Freelancer uns untereinander sowohl privat als auch beruflich austauschen können. Gelegentlich werden hier sogar Treffen organisiert. Die Foren sind auch nicht spezifisch für irgendein Fachgebiet – von Programmierern über Autoren bis zu Designern und anderen selbstständig Arbeitenden findet sich hier alles. Außer diesen Seiten gibt es natürlich noch andere, die länder- oder berufsspezifisch sind.

Besonders für Neu- und Quereinsteiger geeignet sind auch die Knowledge Bases, die sich normalerweise auf Freelancer-Portalen wie Upwork, Fiverr, oder Freelancer.com befinden – hier stehen oftmals Tipps und Tricks, die einem ansonsten ein älterer Kollege verraten würde (oder gerade nicht)! Mitunter gibt es nicht nur Tipps zur Arbeit selbst, sondern auch zum Lifestyle eines Freelancers. Wem Foren zu kompliziert sind, der kann natürlich auch nach nützlichen Blogs Ausschau halten – so wie diesem hier! 🙂

Wer sich schon aktiv in solchen Foren und Blogs getummelt hat, wird wissen, dass andere Freelancer ein großartiger Ersatz für Kollegen im Büro sein können. Verschiedenste Gemüter, verschiedenste Erfahrungslevel, und rund um die Welt (und Uhr) vertreten. Was kann man denn mehr von Kollegen wollen? Und das Beste daran: Wenn sie dann doch mal stören, kann man einfach den Tab schließen.

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