Arbeitseinteilung: Wie viel ist zu viel?

Keine Zeit, um krank zu werden? Dann läuft was schief

Wer als Freelancer im Home Office arbeitet, hat mittlerweile wahrscheinlich schon festgestellt, dass die Freiheit und der reduzierte Stress zwar großartig sind… Arbeiten muss man leider aber trotzdem. Na gut, eigentlich ja kein Problem – Laptop an, Kalender aufschlagen, und einfach mal einteilen, was geht.

Bevor man sich’s versieht, arbeitet man dann eben mal abends drei Stunden länger als geplant. Ist ja auch nichts dabei. Im Büro hätte man zusätzlich noch hin- und herfahren müssen, und Sachen liegen lassen ist ja auch nicht angenehm. Also alles kein Problem.

… oder doch?

Stellen wir uns die Situation im Büro vor. Es ist noch was zu erledigen, der Chef fragt, ob man eben noch mal schnell eine Stunde oder zwei dableiben kann. Entsetzen macht sich breit! Nach der Arbeit will man doch nach Hause.

Dasselbe sollte auch fürs Home Office gelten. Jetzt ist natürlich nichts falsch daran, schnell noch die letzte E-Mail zu schreiben, oder ein paar Minuten länger zu bleiben, um etwas fertig zu machen – genau, wie man das wahrscheinlich im Büro auch (zähneknirschend) akzeptieren würde.

Jetzt aber mal Feierabend!

Überstunden im Home OfficeÜbertreibt man es aber, verliert man wertvolle Privat- und Erholungszeit. Büroarbeitszeit ist nicht ohne Grund nicht länger als 8 Stunden plus Pause (und oft kommt einem selbst das zu lang vor) – sie stresst, sie ermüdet, und man verliert die Lust, weiterhin sein Bestes zu geben.

Das ist übrigens ein sehr beliebter Grund, weswegen Leute zum Freelancer werden – sie wollen sich die Arbeitszeit selbst einzuteilen. Das ist natürlich ein gutes Ziel, kann aber auch nach hinten losgehen: Die Arbeit darf nicht ausarten. Was die individuelle Arbeitslast betrifft, so muss zwar jeder selbst feststellen, wie viel pro Tag geht. Generell gilt aber: Wer kreativ oder konzeptionell arbeitet, sollte sich etwas weniger vornehmen, da kreatives Arbeiten schneller (geistig) ermüdet, auch wenn es sich nicht immer gleich so anfühlt.

Money, money, money…

Eines der schönen Dinge am Freelancen ist ja auch, dass man, zumindest meistens, für die Leistung bezahlt wird, die man erbringt – je mehr man also arbeitet, desto höher ist der Lohn. Wer schon länger als Freelancer arbeitet, wird sich jetzt sicher denken können, worauf das hinausläuft: Nur weil man kann, heißt das nicht, dass man auch soll.

Klar, man verdient mehr, kann für das neue Auto, den nächsten Urlaub und so weiter sparen, aber wenn man dann so erschöpft ist, dass man nichts mehr davon hat, ist auch niemandem geholfen. Um die richtige Balance zu finden, sollte man sich am besten individuell herantasten. Zuerst weniger Arbeit einplanen, auch wenn man dann mal schon am frühen Nachmittag fertig ist, und dann langsam erhöhen, bis der geplante Arbeitstag locker gefüllt, aber nicht stressig ist.

Das mag eine Woche oder sogar länger dauern, aber es ist unumgänglich. Nur, wer seinen Tag so gut wie möglich plant und die Übersicht behält, wird längerfristig mit dem Freelancer-Dasein klarkommen.

Keine Zeit zum Krankwerden?

Nun zum nächsten Thema: Dem Krankwerden. Sich als Angestellte krank zu melden, ist einfach: Entweder eine E-Mail ins Büro oder den Chef anrufen und kurz ins Telefon röcheln. Alles klar und zurück ins Bett!

Aber wen ruft man an, wenn man als Freelancer arbeitet? Im Idealfall den Kunden, um ihm zu sagen, dass es ein paar Tage länger dauern wird. Dann vielleicht den Partner oder die Mutter, damit man Suppe vorbeigebracht bekommt. Alternativ auch den Pizza-Lieferanten. Manche Sachen lassen sich aber nicht einfach auf- oder verschieben, „nur“ weil man krank ist, wie wohl die meisten Freelancer bestätigen können.

Eventuell kann man einen Bekannten oder Kollegen im selben Feld um Hilfe bitten oder für den Tag einen anderen Freelancer anheuern – das geht aber nicht immer, vor allem nicht spontan (und wer plant denn schon, krank zu werden?). Hier zahlt sich das Netzwerken aus, bevor man in einer Notsituation ist.

behält, wird längerfristig mit dem Freelancer-Dasein klarkommen.

Ab in den Urlaub!

Urlaub als FreelancerWie auch immer man es machen möchte – eine Strategie sollte man bereit gelegt haben, bevor man krank wird. Sonst macht der Stress einen gleich noch mal doppelt so krank. Im besten Fall sollte man wöchentlich alles so planen, dass zumindest ein halber Tag Ausfall nichts ausmacht. Und wenn das nicht geht – Gesundheit ist im Zweifelsfall wichtiger als die (kurzfristige) Arbeit, denn Ihr wollte ja noch ein paar Jährchen machen.

Jetzt noch zum Urlaub: (Fast) jeder fährt gerne, am liebsten so oft wie möglich. Aber wann? Wie? Wie lange? Im Bürojob ist das recht einfach geregelt: Wann? Wenn man frei bekommt oder sich freinehmen kann. Wie? Eigentlich egal. Wie lange? Bis die Urlaubstage vorbei sind. Wohin? Wonach einem der Sinn steht.

So einfach ist es im Home Office nicht. Man kann sich zwar selbst freigeben, aber, da es meistens keine Kollegen gibt, denen man die Arbeit inzwischen zuteilen kann, heißt dass, das während des Urlaubs wirklich alles still steht. Mit etwas Glück gibt es vielleicht einen Kontakt, der aushelfen kann. Oder, wie oben erwähnt, die Möglichkeit, selbst einen anderen Freelancer anzuheuern, der den Laden am Laufen hält, während man weg ist. Man muss allerdings hoffen, dass er nach Ende seiner Urlaubsvertretung nicht die Hälfte der Kunden gleich mitnimmt.

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass man sich nicht um eventuelle Notfälle oder unerwartete Änderungen sorgen muss, sondern sicher sein kann, dass alles erledigt wird, und man in den Alltag zurückkehrt und nicht ins absolute Chaos. Vorausgesetzt, man hat jemand Kompetenten und Vertrauenswürdigen gefunden!

Längerfristig planen ist angesagt: Spontan mal eine Woche freinehmen kann schwierig werden. Daher im Idealfall Urlaube etwa 2 bis 3 Monate im Voraus buchen und einplanen, und alle Kunden und Kooperationspartner zeitgerecht informieren. Wenn man tatsächlich plant, während des Urlaubs gar nicht online zu sein, sollte man zudem automatische E-Mail-Antworten einrichten und/oder eine eigene Sprachboxnachricht.

Ein weiterer Vorteil der langfristigen Planung: Das Buchen des Urlaubs ist so frühzeitig meist billiger.

Alternative: Working Holiday oder Workation

Wie lange man von der Arbeit weg bleiben kann, hängt auch von der Branche und dem Arbeitsstil ab. Wer primär mit individuellen und kurzen Projekten arbeitet, kann sich alles so einplanen, dass während dem Urlaub einfach nichts zu tun ist. Wer hingegen einen oder mehrere längerfristige Kunden hat, der sollte mit ihnen absprechen, wann und wie lange der Urlaub geplant ist. Man muss natürlich nicht um Erlaubnis fragen, aber der Kunde sollte definitiv rechtzeitig informiert werden, falls sein Projekt betroffen ist.

Zum Wie – wer der Arbeit auch im Urlaub nicht entkommen kann, sollte seine Reise zum Beispiel so planen, dass es unterwegs Internet gibt. Manche Fluglinien bieten dies an, ansonsten auch die Bahn oder manche Übernachtbusse. Die meisten Hotels haben ohnehin Internetanschluss – da kann man dann mit dem Laptop zumindest teilweise auch im Urlaub Projekte weiterbringen. Entsprechend sollte auch das Reiseziel gewählt werden. Wer weiß, dass er auch im Urlaub arbeiten muss, sollte eine Safari in Kenya eher meiden, genauso Wildwasser-Rafting in den Bergen.

Stressfreier ist es natürlich, wenn die Arbeit einem nicht bis ins Hotel folgt, aber wer das nicht schafft sollte auch nicht auf einen Urlaub verzichten. Es mag zwar mit etwas mehr Aufwand verbunden sein, aber die gelegentliche Woche Urlaub sorgt dafür, dass man den Rest des Jahres die Energie hat sein Bestes zu geben. Regelmäßige Erholungszeit ist wichtig, selbst wenn man nicht gleich auf die Bahamas fliegt, sondern einfach nur eine Woche auf dem Liegestuhl im Garten verbringt.

Ist ja auch schön.

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